Informative Fachvorträge und vielfältiges Sport- und Beratungsprogramm zum Welt-MS-Tag 2016

[06.06.2016]

Diagnose MS: Ein Schock für die meisten Betroffenen. Der Wunsch, ein ganz normales Leben zu führen, wird plötzlich von vielen Sorgen und Ängsten überschattet und scheint unerfüllbar. Doch auch MS-Erkrankte haben einen Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben, und zwar in allen Lebensbereichen.

Mit der Absicht, Betroffenen genau diese Nachricht zu übermitteln, lud das Augustahospital Anholt in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal Ärzte, Betroffene und Angehörige zu einer Veranstaltung anlässlich des Welt-MS-Tages ein, der in diesem Jahr weltweit unter diesem Motto stand.

Das MS-Schwerpunktzentrum legte in diesem Jahr besonders viel Wert darauf, den Betroffenen Anstöße und Beispiele zur Selbsthilfe zu geben. Informative Fachvorträge und ein vielfältiges Sport- und Beratungsprogramm gaben den rund 100 Teilnehmern die Möglichkeit, sich informieren und aufklären zu lassen und zu sehen, was trotz der Einschränkung alles möglich ist.
In der Eingangshalle der neurologischen Fachklinik nutzen viele Betroffene und Angehörige die Gelegenheit, sich bei Kaffee, Kuchen und Musik auszutauschen.
Einige MS-Patienten und Angehörige besuchten die Pflegesprechstunde und holten sich Tipps und Tricks für die Versorgung im Alltag und die Verwendung von Hilfsmitteln ein. Ebenso fand ein reger Austausch mit Katrin Kormann, Betroffenenberaterin der DMSG NRW e.V., über Möglichkeiten der Selbsthilfe statt.

Spaß an Bewegung trotz Einschränkung

Unterstützt von gutem Wetter wurde auf der Terrasse des Augustahospitals ein gemischtes Programm angeboten, welches vor allem die Motivation von Betroffenen in den Mittelpunkt stellte.
Mit dem Motto „Finde heraus, was gut für dich ist!“ präsentierte sich das Team des Bottroper Sportbundes. Unter Anleitung von professionellen Trainern konnten sich die Besucher an der Kletterwand des Sportbundes versuchen. Klettern erscheint für Menschen mit Handicap als eine große Herausforderung. Doch die besondere Sportart hilft dabei, Ängste zu bewältigen, indem das Selbstwertgefühl gesteigert wird - schon durch die kleinsten Erfolgserlebnisse fühlt man sich stark und stolz. Dieses Gefühl erhöht die Lebensqualität.
Am Stand des Bocholter Bogenschützen Club e.V. war von Anfang an ein großer Andrang erkennbar. Viele Interessierte nutzten die Möglichkeit, erste Probepfeile zu schießen. „Auf die Sportart Bogenschießen wäre ich nie gekommen, aber den Umgang mit Pfeil und Bogen kann ich ja auch im Rollstuhl erlernen.“, stellte eine Patientin des Augustahospitals begeistert fest, „ich habe mich gerade direkt für den Schnupperkurs angemeldet!“
Auch auf das Fahrradfahren müssen MS-Erkrankte nicht verzichten. Das Ehepaar Kormann informierte über spezielle Mobil-Fährräder, die besonders für MS-Betroffene gut geeignet sind. Im Park des Augustahospitals konnten die Räder optimal getestet werden.
Für großes Aufsehen sorgten die Helfer auf vier Pfoten, die mit dem Assistenzhunde e.V. in zwei Teams anreisten. Die treuen Begleiter standen ihren Herrchen und Frauchen beharrlich zur Seite und stellten ihr Können unter Beweis. Das Aufheben von kleinsten Gegenständen meisterten die Hunde mit bravour und auch beim Wäscheaufhängen konnten sie super assistieren. In vielen Fällen sind Assistenzhunde unersetzlich für ihre Halter. Nicht nur durch die tatkräftige Unterstützung im Alltag, sondern schon allein die Anwesenheit der Tiere steigert bei vielen Besitzern enorm die Lebensfreude.

Perspektiven bei MS 

Auch wenn die Krankheit im eigentlichen Sinne noch nicht „geheilt“ werden kann, zeigen sich also viele Perspektiven auf. Ob in Freizeit, Familie, Beruf oder Sport -  durch verschiedene Unterstützungsmaßnahmen stehen MS-Erkrankten heutzutage viele Tore offen.
Diese Aussage wurde auch durch die beiden Fachvorträge der Veranstaltung unterstrichen. Prof. Dr. Michael Haupts, Ärztlicher Direktor des Hauses, berichtete in seinem Vortrag über den aktuellen Stand der Krankheit MS. Er zählte auf, was heutzutage alles gemacht werden kann, um einen bestmöglichen Verlauf der Krankheit zu unterstützen.
Jens Kirstein, Abteilungsleiter der Physiotherapie des Augustahospitals, informierte im Anschluss über die „Körperliche Aktivität bei MS“. Auch hier fokussierten sich die Themen auf die Selbstmotivation der Betroffenen, die durch die Symptome der Krankheit stark beeinträchtigt ist. Die Aussage „Bewegungsfreude statt Erschöpfungserlebnis“ sollte den Zuhörern deutlich machen, dass schon die kleinsten Fortschritte einen Erfolg darstellen, auch wenn sie eine Anstrengung für den Körper bedeuten. Bis in die Abendstunden dauerte der rege Austausch über verschiedene Fragen und Probleme zwischen den Teilnehmern und Referenten.

Die Anholter Betriebsleitung freut sich über die positiven Rückmeldungen zu der mittlerweile fest etablierten Veranstaltung.