Multiple Sklerose

Was ist Multiple Sklerose?

Die Multiple Sklerose gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen in unseren Breiten. Sie beginnt meistens im zweiten bis dritten Lebensjahrzehnt, Frauen sind etwas häufiger betroffen. Die ersten Symptome sind meist uncharakteristisch und führen nicht immer gleich zur richtigen Diagnose. Hierzu gehören z. B. Missempfindungen, flüchtige Sehstörungen, eine vorübergehende Ungeschicklichkeit beim Hantieren oder beim Gehen sowie ein über Tage anhaltender Zustand der Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Dies können alles sogenannte erste Schübe der Multiplen Sklerose sein, die sich in der Folge nach Abständen von Wochen, Monaten oder Jahren in anderer Form wiederholen können.

Nach langjährigem Krankheitsverlauf, oder im ungünstigen Fall schon früher, bilden sich die neurologischen Ausfälle der einzelnen Krankheitsschübe nicht mehr vollständig zurück. Es resultieren Beeinträchtigungen normaler körperlicher Funktionen, die sich im Laufe vieler Jahre zu einer zunehmenden Behinderung addieren. Einige MS-Patienten werden schon frühzeitig hilfs- und pflegebedürftig. Andere zeigen einen so gutartigen Verlauf, dass man ihnen ihre Erkrankung ein Leben lang nicht anmerkt. Insgesamt gilt, dass die Erkrankung eigentlich besser ist, als ihr Ruf. Auch einige Daten machen dies deutlich:

Wir wissen heute, dass ein Drittel der MS-Betroffenen nach 25 Jahren noch im Erwerbsleben verbleibt, und dass etwa die Hälfte nach 15-jähriger Krankheitsdauer noch ohne irgendwelche Beeinträchtigungen oder Hilfen gehfähig sind.

An unserer Klinik sieht man jedoch mehr die "Spitze des Eisberges", nämlich MS-Betroffene mit ungünstigeren Verläufen, die meist schon früh sichtbar behindert wurden und die sich mit Hilfe eines Handstockes, eines Rollators oder gar mit einem Rollstuhl fortbewegen müssen.

Hier sind es in erster Linie alle übenden Verfahren, die bei diesen Patienten zu einer Verbesserung ihrer Beweglichkeit beitragen. An erster Stelle steht hier die intensive krankengymnastische Übungsbehandlung auf neurophysiologischer Grundlage. Das Erlernen von Alltagsverrichtungen zur Verringerung notwendiger Fremdhilfe vermittelt die Ergotherapie. Hierbei werden die täglich zu bewältigenden Aufgaben - Anziehen, Körperpflege, Toilettenbenutzung, Haushaltstraining usw. - überprüft und gezielt geübt. Es geht auch vielfach um ein gemeinsames Überlegen im Team, ob und welche Hilfsmittel für den häuslichen Bereich für den Betroffenen sinnvoll wären. Die auch bei MS-Patienten nicht seltenen Beeinträchtigungen bestimmter Hirnleistungen werden durch geeignete Testverfahren bestimmbar und durch neuropsychologische Trainingsprogramme behandelt. Innerhalb der Therapieprogramme kommen auch Behandlungsverfahren aus der physikalischen Therapie - z. B. zur Lockerung der Muskulatur bei bestimmten Schmerzformen - zur Anwendung; Sprech- und Schluckstörungen fallen in den Zuständigkeitsbereich der logopädischen Abteilung.

Moderne Untersuchungen

Moderne Untersuchungstechniken (Kernspintomographie, neurophysiologische Leistungsstudien und differenzierte Liquoreiweißuntersuchung) haben die MS heute sehr viel besser bereits in Frühstadien diagnostizierbar gemacht. Daher kommen auch zur Diagnostik viele Neuerkrankte in das Augustahospital. Die hierzu z. B. notwendige kernspintomographische Untersuchung ist problemlos im Nachbarkrankenhaus in Bocholt möglich.

Durch den Einsatz erst vor wenigen Jahren neu entwickelter Medikamente, z. B. der gentechnologisch hergestellten Betainterferone, erscheint die Erkrankung jetzt auch ursächlich besser behandelbar geworden zu sein. Unter diesen, wenn auch sehr teuren Behandlungen, treten weniger Schübe auf, die Behinderungen treten später ein. Auch diese neuen Behandlungen werden im Augustahospital durchgeführt und die MS-Betroffenen erhalten eine sehr differenzierte Beratung, welche der neuen MS-Therapien für sie im Einzelfall in Frage kommen.

Trotz aller Fortschritte der Medizin in den letzten Jahren ist die MS noch immer nicht heilbar geworden. Sie wurde aber besser behandelbar! Dies wurde u. a. auch durch die Einrichtung spezieller Behandlungszentren möglich, wie dem Augustahospital Anholt und einigen wenigen anderen vergleichbaren Einrichtungen in Deutschland.

MS-Betroffene erhalten weiterführende Informationen beim:
Fachverband Deutsche Multiple-Sklerose-Gesellschaft (DMSG) www.dmsg.de

Dort finden Sie auch Adressen von Selbsthilfegruppen und Betreuungsorganisationen sowie viele interessante Literaturtipps.