Prof. Dr. Sven Meuth, Privat Dozent Dr. Michael Haupts sowie Privat Dozentin Dr. Kerstin Hellwig (v.l.) informierten Betroffene, Angehörige und ärztliche Kollegen über aktuelle Themen in der Behandlung von MS.

Welt-MS-Tag im Augustahospital

[16.06.2014]

Eine Krankheit – eine Therapie? Diese Fragestellung zog sich im Augustahospital Anholt wie ein roter Faden durch die Fachvorträge der diesjährigen Veranstaltung zum Welt-MS-Tag. Die Antwort: Nein, sicher nicht. Der Ärztliche Direktor der neurologischen Fachklinik, Privat Dozent Dr. Michael Haupts beschrieb zu Beginn seines Referats wie vielfältig sich die Verläufe einer Multiple-Sklerose-Erkrankung gestalten können. „Es gibt Patienten, die nach 20 Jahren noch Fahrrad fahren, bei anderen wiederum ist die Erkrankung nach zwei Jahren behindernd spürbar“, erklärt der Neurologe. Dieser Umstand erfordert immer eine individuelle Therapie, die zwischen Patient und Arzt entwickelt und ausgelotet werden muss. Er empfiehlt eine Behandlung basierend auf zwei Säulen, die sowohl die immunologischen Ursachen als auch die persönlichen Folgen der Erkrankung einbezieht. Wie diese gestaltet werden kann und welche – neuen - Behandlungsmöglichkeiten bestehen, zeigten die Referenten den rund 100 Teilnehmern der Veranstaltung mit eindrucksvollen und hoch aktuellen Beiträgen auf.

„Verpasste Chance versus unkritischer Neu-Glaube“

Privat Dozentin Dr. Kerstin Hellwig von der Ruhr-Universität Bochum informierte mit ihrem Vortrag ausführlich über die Auswirkungen der Multiplen Sklerose auf eine Schwangerschaft und stellte gleich zu Anfang fest, dass die Fruchtbarkeit bei MS weder bei Frauen noch bei Männern eingeschränkt ist und eine Schwangerschaft durchaus möglich ist. Allerdings erweist sich bei geplanten Schwangerschaften eine genaue Abstimmung der Medikation im Vorfeld als sinnvoll, wobei eine ungeplante Schwangerschaft unter der Einnahme von Medikamenten der MS-Behandlung nach jetzigem Wissensstand kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch sein muss. Im weiteren Verlauf stellte sie Studien über bekannte Auswirkungen verschiedener Wirkstoffe dar und betonte, dass immer die Rücksprache mit dem behandelnden Neurologen angezeigt ist. Prof. Dr. Sven Meuth der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster gab einen Überblick über moderne Möglichkeiten der Immuntherapie und beendete seinen Vortrag mit der leicht philosophischen Aussage „Verpasste Chance versus unkritischer Neu-Glaube“. „Damit möchte ich sagen, dass das was wir bis jetzt hatten nicht gleich schlecht ist und alles was wir nicht hatten, ist nicht gleich gut“, erklärte der Fachmann. Auch hier gilt wieder das Zusammenwirken von Arzt und Patient unter Berücksichtigung des individuellen Krankheitsverlaufes.

Behandlungsmöglichkeiten der Fatigue

Unter der Betrachtung multimodaler Ansätze der MS-Behandlung ergänzten die Mitarbeiterinnen des Augustahospitals, Neuropsychologin Dr. Sonja Wichert und Ergotherapeutin Iris Mattutat-Holstein die Ausführungen von Haupts. Hierbei gingen sie insbesondere auf die unsichtbaren Auswirkungen der MS ein und stellten Behandlungsmöglichkeiten der sogenannten Fatigue, des Erschöpfungssyndroms, vor, unter dem etwa 80 Prozent der MS-Betroffenen leiden.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch vielfältige Informationsangebote, die dazu einluden individuelle Fragestellungen zu lösen. So bestand beispielsweise die Möglichkeit sich in einer Pflegesprechstunde beraten zu lassen. Darüber hinaus informierte Katrin Kormann, Kontaktkreissprecherin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft über Möglichkeiten der Selbsthilfe. Groß war auch die Nachfrage zu speziellen Fahrrädern für MS-Betroffene. Zudem nutzten viele Besucher die Gelegenheit sich mit einem Lauftherapeuten auszutauschen. Ein reichhaltiges Kuchenbuffet lud zum Genießen und gemeinsamen Verweilen ein – der Erlös hieraus dient als Spende zugunsten der DMSG. Viele waren sich einig: das war eine informative und anregende Veranstaltung zum Welt-MS-Tag.