Jens Kirstein, Dr. Michael Haupts und Dr. Christian Haug (v. l.) informierten die Teilnehmer über Aktuelles in der MS-Therapie.

Welt-MS-Tag im Augustahospital

[01.06.2012]

Das Augustahospital Anholt mit dem Schwerpunkt Multiple Sklerose (MS) informierte anlässlich des weltweiten MS-Tages am Mittwoch, 30. Mai, über neue Therapiemöglichkeiten, Reisen und Impfen sowie Bewegung bei Multipler Sklerose.

Die Veranstaltung der neurologischen Fachklinik fand großen Anklang bei den Besuchern. Ab 15 Uhr präsentierte sich die DMSG-Selbsthilfegruppe „Kontaktkreis Bocholt“ auf der Empore und informierte Interessierte und Betroffene. Parallel zur Aufklärungsarbeit kümmerten sich die Gruppenmitglieder auch mit dem Verkauf von Kaffee und Kuchen um das leibliche Wohl der Gäste.

Pünktlich um 17 Uhr eröffnete der Ärztliche Direktor, Dr. Michael Haupts, die Veranstaltung mit seinem Vortrag zu den aktuellen Therapiemöglichkeiten bei MS. Die Multiple Sklerose sei in drei Phasen einteilbar: Diagnose, schubförmige und progrediente Phase, so der Chefarzt. Je nach Phase würden unterschiedliche medikamentöse Strategien angewendet: Durch eine frühe Behandlung der Betroffenen mittels entzündungshemmender Medikamente könne in der ersten Phase eine Verzögerung des Verlaufs bewirkt werden, erläuterte Haupts. In der zweiten Phase setze man neben bewährten Medikamenten der Basistherapie zunehmend auf „Designer-Antikörper“, welche in ihrer Steuerbarkeit sehr anspruchsvoll seien. Bei den Medikamenten der dritten Phase, in der keine entzündlichen Prozesse mehr von statten gehen, handele es sich unter anderem um Präparate, die die Gehfähigkeit verbessern und eine Reduktion der Spastik ermöglichen. Grundlegend für eine erfolgreiche Behandlung sei aber letztendlich, schloss der Mediziner, dass sowohl ursächlich angreifende Medikamente als auch symptomatische Therapien verwendet würden.

Nach einer angeregten Diskussionsrunde legte anschließend Dr. Christian Haug in seinem Vortrag dar, welche Aspekte bei MS bezüglich Reisen und Impfen berücksichtigt werden sollten. Der Oberarzt stellte heraus, welche Impfungen im Einzelnen bei MS relevant sind und mit welchen Auswirkungen jeweils zu rechnen ist. „Bei zwar generell spärlicher Datenlage zu Impfungen bei MS könne man, unter Berücksichtigung einzelner Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen, zum Durchführen von Impfungen bei MS raten“, so Haug. Besonders bei Patienten, die eine immunsupprimierende oder –modulierende Therapie erhielten, seien vor allem Lebendimpfungen problematisch sowie unterschiedliche Impferfolge zu erwarten. Nachdem der Facharzt für Nervenheilkunde mit Reisemedizinerfahrung vertiefend auf Malaria und Prophylaxe einging, beendete er seinen Vortrag mit einem allgemeinen, reisemedizinischen Überblick, was MS-Betroffene bei Reisen berücksichtigen sollten.

Als dritter Referent informierte Jens Kirstein, leitender Physiotherapeut des Krankenhauses, die Teilnehmer über die Auswirkungen von Bewegung auf MS. Eine Einschränkung, die mit der Erkrankung einhergehe, sei der Ausdauerverlust, erläuterte Kirstein. „Der Mobilitätsverlust bei Betroffenen führt zu Dekonditionierung, welche in Bewegungsarmut und damit wieder in Mobilitätsverlust mündet. Es ist ein Teufelskreis.“ Eine Maßnahme, um diesen Kreislauf zu unterbinden und Lebensqualität, Depressionen und abnorme Fatigue zu verbessern, seien geeignete körperliche Aktivitäten als übende Verfahren. Wesentlich, so Kirstein, sei hierbei eine Anpassung des Trainings, wobei Ausdauer- und Krafttraining bei MS vergleichbar effektiv seien. Abschließend wies der Therapeut ebenfalls darauf hin, dass der Einsatz eines kombinierten Therapieprogramms sinnvoll sei, das sowohl medikamentös als auch ein multimodales Therapiekonzept umfasse.

Nach einer kurzen Pause mit Imbiss erhielten alle Interessierten die Gelegenheit, in der neuen Trainingstherapie des Hauses die Möglichkeiten im Bereich „Bewegung und MS“ nachzuvollziehen. „Wir haben uns sehr über das große Interesse und die positive Resonanz der Besucher und der Selbsthilfegruppe aus Bocholt gefreut. Dies motiviert uns, auch in Zukunft Veranstaltungen über die aktuellen Entwicklungen bei Multipler Sklerose durchzuführen“, resümierte Haupts den Welt-MS-Tag 2012.