Dr. Lars Wojtecki klärt über die Forschung und Möglichkeiten der „Tiefen Hirnstimulation“ auf.

Parkinson-Patienten informieren sich im Augustahospital

[03.09.2012]

In diesem Jahr fanden sich am Samstag, 1. September, abermals wieder zahlreiche Betroffene und Angehörige im Augustahospital ein, um sich über nicht-motorische Probleme und parkinsonähnliche Diagnosen zu informieren und in den direkten Austausch mit den geladenen Experten zu treten.

PD Dr. Michael Haupts, Ärztlicher Direktor des Hauses, eröffnete die Veranstaltung mit seinem Vortrag zum Thema „Nicht-motorische Parkinson-Probleme“. Der Chefarzt stellte heraus, dass Parkinson-Patienten neben bewegungsspezifischen Problemen auch mit Schwierigkeiten in anderen Bereichen zu kämpfen haben: Diese umfassen Beeinträchtigung des Geruchssinnes, Kollapsneigung, Verstopfungen, Depressionen und Halluzinationen. Für diese Begleiterscheinungen gebe es Möglichkeiten der Behandlung, so Haupts. Speicheltropfen entstehen beispielsweise nicht durch vermehrten Speichelfluss, sondern durch die Steifigkeit der Mundmuskulatur. Als Therapie könne hier durch Medikamente die Muskulatur wieder beweglicher gemacht werden oder eine Reduktion des Speichelflusses erfolgen.

Als nächstes referierte Dr. Lars Wojtecki von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf über Forschungen im Rahmen der „Tiefen Hirnstimulation“. Diese invasive Maßnahme dient der symptomatischen Therapie und kann durch elektrische Stimulation im Gehirn zu einer Verbesserung der Beweglichkeit bei Parkinson-Patienten führen. Die Ableitung der elektrischen Impulse im Gehirn während spezieller Übungen hat ergeben, dass die Geschwindigkeit der elektrischen Stimulation Einfluss auf die Geschwindigkeit von Entschlussfindungen hat. Ziel der Forschungen ist es, für Patienten mit einer tiefen Hirnstimulation zusätzlich zur optimalen Einstellung bezüglich ihres Bewegungsverhaltens, ebenfalls eine Einstellung für die Impulsgebung zu finden, die den Prozess der Entscheidungsfindung verbessert, indem er diese beschleunigt.

Nach einer kurzen Pause brachte Dr. Sabine Skodda den Teilnehmern mögliche Differentialdiagnosen zum Morbus Parkinson näher. „Die richtige Diagnosestellung eines erfahrenen Neurologen für Morbus Parkinson liegt bei 76-85 Prozent“, so Skodda. Für die richtige Diagnose der „Schüttelkrankheit“ müsse eine Reihe von Schritten ablaufen. Dazu gehören verschiedene diagnostische Verfahren, von denen keines alleine einen Morbus Parkinson beweisen kann. Nur im Zusammenspiel mit der Krankheitsgeschichte, den Befunden, dem Fehlen von Symptomen, die nicht zu Parkinson gehören, sowie dem Ansprechen auf Parkinson-Medikamente kann eine Diagnose gestellt werden. Da aber Symptome parkinsonähnlicher Krankheiten zu einem Zeitpunkt X nicht von einem „echten“ Morbus Parkinson unterschieden werden können, könne die Diagnose Morbus Parkinson manchmal nicht mit Sicherheit gestellt werden.

Zum Abschluss der Veranstaltung führte der leitende Physiotherapeut Jens Kirstein die Teilnehmer in die Räumlichkeiten der Medizinischen Trainingstherapie des Hauses und erläuterte unter Einsatz der Betroffenen praxisnah die Möglichkeiten von „Training am Gerät“ bei Parkinson.