Prof. Dr. Chan (vorne rechts) erläutert den aktuellen Stand Juni 2013 bezüglich der neuen Medikamente in Tablettenform.

MS-Symposium: Workshops und Expertendiskussion im Augustahospital Anholt

[10.06.2013]

Zum diesjährigen MS-Symposium am 8. Juni fanden sich wieder viele Betroffene und Angehörige ein, um sich in Workshops und im Gespräch mit Experten zum Thema „Multiple Sklerose“ über den aktuellen Stand zu informieren.

Das MS-Symposium startete am vergangenen Samstag mit zwei Workshops: Ralf Lobert, Jurist im Sozialdienst, klärte in seiner Veranstaltung über „Soziales, Recht und Hilfen bei MS“ auf. In seinem zweistündigen Vortrag sprach Lobert sensible Themen wie Arbeitsrecht, Schwerbehindertenrechte, Grundsicherung und Hartz IV, Erwerbsminderungsrente und Pflegeversicherung im Kontext von MS an. Inhalte wie „Muss ich meinem Arbeitgeber gegenüber meine Erkrankung offenbaren?“ und „Was bringt ein Schwerbehindertenausweis (mit sich)?“ stießen auf großes Interesse bei den Anwesenden, so dass während des gesamten Workshops ein reger Austausch zwischen Referent und Publikum erfolgte.

Parallel informierte Ingo Krause über die „Neurogene Blase und intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK) bei MS“. Der Urotherapeut erläuterte anschaulich die Symptome der Blasenstörung, ihre Bedeutung bei MS sowie Aktivitätsstörungen von Blase und Schließmuskel. Mit viel Feingefühl ging er dabei auf die Fragen der Anwesenden ein und zeigte verschiedene Handlungsmöglichkeiten für Betroffene auf.

Nach einer Pause gaben die MS-Experten Dr. Dieter Pöhlau, Prof. Dr. Andrew Chan, PD Dr. Michael Haupts und Prof. Dr. Bernd Kieseier einen Überblick über aktuelle Leitlinien und Medikamente zur MS-Therapie. Dr. Pöhlau, der Landesvorsitzende der DMSG NRW, eröffnete die Runde mit der Vorstellung der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). Anschließend stellte Prof. Chan neu entwickelte Tabletten als Erweiterung der medizinischen Möglichkeiten bei MS vor. Aktuell sei bisher eine Tablette bereits zugelassen und drei Präparate stünden kurz vor der Markteinführung, so Chan. „Therapie sollte nicht Lotterie sein“, mit diesem Statement begann Prof. Kieseier seine Ausführung über die Anwendung der Medikamente Tysabri, Gilenya und Alentuzumab zur Eskalationstherapie. Das Problem bei MS sei, dass die „Polizeizellen“ im Körper fehlgeleitet würden und einen Schaden im Gehirn verursachen, erläuterte Kieseier. Die immunwirksamen Substanzen seien durch unterschiedliche Wirkungsweisen in der Lage, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, wenn die Basismedikamente nicht mehr griffen. Zum Abschluss des Symposiums erhielten die Teilnehmer noch die Möglichkeit, Fragen an die Experten zu stellen.  

Die MS-Experten Prof. Dr. Bernd Kieseier, Prof. Dr. Andrew Chan, Dr. Dieter Pöhlau und PD Dr. Michael Haupts (v. l.) gehen zum Ende des MS-Symposiums auf die individuellen Fragen der Anwesenden ein.