Mit kleinen Bewegungen viel bewirken – neues Trainingsangebot im Augustahospital

[04.03.2016]

Weit mehr als die Ausstattung einer reinen „Mukkibude“ bietet die Medizinische Trainingstherapie des Augustahospitals. Und die neuste Anschaffung, ein Gerät, welches ein gezieltes Ganzkörpertraining ermöglicht, an dem alle vier Extremitäten gleichzeitig trainiert werden können, begeistert Therapeuten und Patienten gleichermaßen. „Es gibt keine Gruppe mehr, in der das Gerät nicht genutzt wird, manchmal beeilen sich Patienten richtig, um als erstes üben zu dürfen“, schmunzelt Jens Kirstein, Abteilungsleitung der Physiotherapie.

Die auszuübenden Bewegungen sind denen des Gehens sehr ähnlich und beruhen auf der Wechselwirkung von Beuge- und Streckbewegungen – nur das alles im Sitzen stattfindet. „Das ist das Besondere, theoretisch kann hiermit jeder arbeiten, solange er sitzen kann,“ betont Kirstein. Eventuelle Handicaps, wie Schwierigkeiten beim Greifen oder eine eingeschränkte Nutzung von Armen oder Beinen, können durch geschickte Hilfsmittel ausgeglichen werden. Zudem können Patienten diese je nach ihren individuellen Möglichkeiten während des Trainings selbst kompensieren.

Individuelle Fähigkeiten nutzen

So ist der ganze Körper nach seinen individuellen Fähigkeiten in Aktivität, ohne beispielsweise die Balance halten oder das Eigengewicht tragen zu müssen. Es bildet sozusagen eine Brücke zwischen den üblicherweise Anwendung findenden Aktivitäten wie Laufband oder Crosstrainer und passiven Trainingsmöglichkeiten, die motorkraftbetrieben Einfluss auf die Beinmuskulatur nehmen, wobei aus Sicht des Therapeuten gleiche Ziele erreicht werden. Die Unterstützung der Rumpfstabilität, Spannungsminderung der Beine bei Steifigkeit oder aktive Streckung verkürzter Muskeln, verursacht durch langes Sitzen, werden ebenso erreicht, wie bei konventionellen Methoden.

Feedbackfunktionen motivieren

Spannend ist, dass neben dem Kraft- und Ausdauertraining durch individuelle Zielvorgaben beim Üben auch ein neurophysiologisches Training möglich ist, welches über das Einbringen der eigenen Fähigkeiten und Feedbackfunktionen Einfluss auf das Nervensystem nimmt. „Es werden verschiedene Programme geboten, wobei man zum Beispiel die Geschwindigkeit über eine bestimmte Zeitspanne halten muss“, erklärt der Abteilungsleiter. Der Trick hierbei ist, möglichst kleine Bewegungen zu machen, um das Ziel zu erreichen und nebenbei am effektivsten zu trainieren. Aber gerade die Durchführung der kurzen Abläufe fällt schwer. Im Selbstversuch wird gleich klar, die Koordination von Händen und Füßen, die Umsetzung kurzer Bewegungen bei gleichzeitig auf die Aufgabe gerichteter Aufmerksamkeit erfordert Übung – macht jedoch auch gleichzeitig Spaß. Schnell ist der eigene Ehrgeiz geweckt, den Punkt durch die eigene Aktivität im vorgesehenen Balken zu halten. „Die Technik ist simpel“, erläutert der Physiotherapeut, „Feedback motiviert und das Gerät ermöglicht zudem Selbstkontrolle.“ Eine Patientin, die nebenan auf dem Crosstrainer steht, bestätigt dieses gern: „Es dauert zwar eine Weile bis man es kann, aber es ist viel spannender. Außerdem kann ich im Vergleich zum Crosstrainer länger durchhalten und schaffe sogar 20 Minuten am Stück.“

Zugegeben, zunächst bestand auf Seiten der Physiotherapeuten eine gewisse Skepsis gegenüber der neuen Trainingseinheit. Mittlerweile jedoch ist die neue Bewegungsform fester Therapiebestandteil, sodass sogar über eine Erweiterung des Angebots nachgedacht wird.