Betroffene und Angehörige informierten sich zum Welt-MS-Tag 2015 im Augustahospital. Im Bild v.l. Ärztlicher Direktor PD Dr. Michael Haupts, Detlef Weirich und Referentin Dr. Verena-Isabell Leussink.

Informative Fachvorträge und großes Interesse am Welt-MS-Tag 2015 im Augustahospital

[11.06.2015]

Rund 200.000 MS-Patienten gibt es in etwa in Deutschland, Frauen sind hiervon dreimal häufiger betroffen: Diese und weitere Fakten über die Nervenerkrankung Multiple Sklerose thematisierte Privatdozent Dr. Michael Haupts, Ärztlicher Direktor des Augustahospitals Anholt, während seines Vortrags anlässlich des Welt-MS-Tages. Bereits zum fünften Mal lud Haupts ärztliche Kollegen, Betroffene und Angehörige zu einer Informationsveranstaltung in das neurologische Fachkrankenhaus ein. Etwa 90 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich während der Fachreferate und einem vielfältigen Beratungsangebot zu informieren. So besuchten einige MS-Patienten und Angehörige die Pflegesprechstunde und holten sich Tipps und Tricks für die Versorgung im Alltag und die Verwendung von Hilfsmitteln ein. Ebenso fand ein reger Austausch mit Katrin Kormann, DMSG NRW e.V., über Möglichkeiten der Selbsthilfe statt. Der Ärztliche Direktor stellte eindrucksvoll dar, dass Betroffenheit sehr verschieden und wohl häufig nur die Spitze des Eisbergs sichtbar sei. Neben dem individuellen Erleben des Patienten, sind sicherlich auch Partner, Familie, Freunde und Ärzte betroffen.

Schmerz und Ernährung bei MS

Dem pflichtete Dr. Walter Pöllmann der Marianne-Strauß Klinik bei, bevor er seinen Vortrag über  Schmerz bei MS begann. Als die am häufigsten genannten Schmerzen bei MS beschrieb Pöllmann: Kopfschmerz/Migräne, schmerzhafte Missempfindungen und Berührungsschmerz sowie Wirbelsäulenschmerzen. Der praxisnahe Vortrag zeigte die Unterteilung in Schmerz als direkte und indirekte Folge der MS auf und lieferte anschauliche Möglichkeiten der medikamentösen aber auch nichtmedikamentösen Schmerzlinderung. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und ganzheitliche Betrachtung des Patienten sei für eine erfolgreiche Behandlung besonders wichtig. Insbesondere Therapeuten können bei Haltungsschmerzen über richtige Hilfsmittel zur Linderung und Vermeidung von Schmerzen beitragen.

Das Referat von Dr. Verena-Isabell Leussink thematisierte die Ernährung bei MS. Die interessierten Zuhörer wurden ausführlich über gesunde Ernährung, Maßnahmen bei Verdauungsproblemen sowie die sieben Ernährungsgruppen informiert. Besonders groß war das Interesse an der praktischen Ausgestaltung für den Alltag und Leussink beantwortete zahlreiche Fragen. Wichtig sei eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung: Wer sich einigermaßen gesund ernährt, sei auf einem guten Weg und komme, sofern kein Mangel besteht, meistens ohne  Zusatzpräparate aus.

Projekt "Abenteuer Aufwind"

Die medizinischen Fachbeiträge wurden durch einen besonderen Programmpunkt abgerundet: Der Vortrag über das Projekt „Abenteuer Aufwind“. Das Projekt, unter der Trägerschaft des Bildungswerks Landessportbund NRW, dem Bottroper Sportbund sowie der DMSG NRW, richtet sich an Menschen mit einem körperlichen Handicap.  Martin Schmid, Geschäftsführer des Bottroper Sportbundes und Pädagogischer Leiter des SportBildungswerkes Bottrop, nahm die Teilnehmer zunächst mit auf eine Reise durch seine eigene Geschichte. Seit Jahren ist er passionierter Mountainbiker, erklomm einen 6000er im Himalaya und nahm am Iron Man teil, bis er vor gut sieben Jahren die Diagnose MS erhielt – die Perspektive der Ärzte war für den begeisterten Sportler damals eher ernüchternd.

Und dennoch, Schmid wurde aktiv: „Ich brauchte Leute, die mir helfen aus dem Tief zu kommen und Leute, denen ich helfen kann, aus dem Tief zu kommen.“  So entstand nach und nach ein Lehr-Team bestehend aus Sportpädagogen und Ärzten verschiedener Fachdisziplinen: Jeder mit einem eigenen Handicap. Gemeinsam im Team werden frei unter dem Motto „Finde heraus, was gut für dich ist!“  Sportaktivitäten umgesetzt, die selbst manch gesundem Menschen unmöglich erscheinen.  

"Finde heraus, was gut für dich ist."

Hieraus entstand „Abenteuer Aufwind“, in dessen Rahmen derweil ein vielfältiges Sport- und Erlebnisangebot entstand: Klettern drinnen und draußen, Schwimmtraining, Wintertouren-Skilanglauf und Kanutouren auf Flüssen und Seen sind nur einige davon. Bewegung ist und tut gut. Wichtig ist jedoch, heraus zu finden, was einem selbst gut tut und dass es auch Spaß macht. Der kurzweilige Vortrag wurde unterstützt durch eindrucksvolle Bild- und Videoaufnahmen zahlreicher Abenteuer, die die Zuschauer tief beeindruckten. Schmid brennt spürbar für das Projekt und lud alle Betroffenen ein, bei einer der nächsten Aktionen selbst heraus zu finden, was gut für sie ist. „Das Besondere bei uns ist, dass jeder Trainer in irgendeiner Weise auch selbst ein Handicap hat und wir daher wissen, wovon wir reden“, erklärt der Pädagogische Leiter. Das Training findet auf Augenhöhe statt und es werden Lösungen gesucht, dass wirklich jeder mitmachen kann.

Der kräftige Applaus zum Ende bestätigte den Erfolg der diesjährigen Veranstaltung. Haupts dankte den Referenten für die informativen Vorträge und den Zuhörern für die zahlreiche Teilnahme. Die Anholter Betriebsleitung sieht den hohen Bedarf nach Informationen und freut sich, über die mittlerweile fest etablierte Veranstaltung zum Welt-MS-Tag.