Erfolgreicher Parkinson-Tag im Augustahospital

[13.09.2011]

Das Interesse am Parkinson-Tag des Augustahospital Anholt war groß: Zum Aktionstag am 10. September hatten sich über 120 Betroffene, Angehörige und Ärzte angemeldet, um sich über die Therapieoptionen bei Morbus Parkinson zu informieren und verschiedene therapeutische Maßnahmen in den Räumlichkeiten des Krankenhauses auch hautnah zu erleben.

Die Vortragsreihe eröffnete Professor Dr. Wolfgang Jost aus Wiesbaden. Der ausgewiesene Experte auf diesem Gebiet stellte zu Beginn heraus, das Parkinson nicht gleich Parkinson sei und es DAS Parkinsonsyndrom nicht gebe. Er zeigte die therapeutischen Möglichkeiten auf, welche von Aufklärung, Beratung, Hilfsmitteln, Ernährung über Physio-, Ergotherapie und Logopädie hin bis zu Medikamenten und operativen Eingriffen reichen. Ziel der Therapie sei es in jedem Fall, so Professor Jost, den Patienten im „therapeutischen Fenster zu halten“, so dass dieser nicht in Starre oder Überbewegung verfalle, sondern ein normales Maß an Beweglichkeit erhalte. Wichtig sei es bei der Therapie vor allem, frühzeitig mit dieser zu beginnen, „denn wer wartet, verliert Zeit“.

Nach dem Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten des Krankheitsbildes, erläuterte der Ärztliche Direktor des Augustahospitals Priv.-Doz. Dr. Michael Haupts die symptomatische Komplextherapie bei Morbus Parkinson. Hier werde mittels Assessments und Diagnostik zunächst der aktuelle Status der Patienten ermittelt sowie überprüft, ob die Medikation für den Patienten noch passend sei. Die neurologische Komplextherapie ziele darauf ab, mittels medikamentöser und nichtmedikamentöser Therapien den komplexen Symptomen und Problemen bei Parkinson gerecht zu werden.

Nach der Pause brachte die Neuropsychologin des Augustahospitals Dr. Frauke Fink den Besuchern die Neuropsychologie des Morbus Parkinson näher. Die Dopaminmangelerkrankung beeinflusse verschiedene kognitive Fähigkeiten, so Dr. Fink. Dazu zählen die visuell-räumlichen Fähigkeiten, exekutive Funktionen (Problemlösung, Planung), zielgerichtetes Verhalten, Informationsgeschwindigkeit, motorisches Lernen sowie der Abruf von Gedächtnisinhalten. Die Neuropsychologin gab an, dass etwa 55% der Parkinson-Patienten im Verlauf ihrer Erkrankung kognitive Defizite entwickeln können. Therapeutisch werden im Rahmen der Neuropsychologie kognitive Therapie (u.a. PC-gestützt), kognitive Verhaltenstherapie (gedankliche Verarbeitung der Erkrankung), Entspannungstraining, Angehörigenberatung sowie Medikamenten angewendet.

Zum Abschluss berichtete Dr. Martin Südmeyer vom Universitätsklinikum Düsseldorf über die Therapieeskalation und invasive Möglichkeiten. Therapieeskalation bedeute, so Südmeyer, wenn z.B. die Medikamente beim Patienten nicht mehr wirksam sind und eine andere Therapie vorgenommen werden müsse. Als Alternativen kämen dann Maßnahmen wie die Tiefe Hirnstimulation (THS) oder Medikamentenpumpen zum Einsatz. Die THS sei kein neues Verfahren, sondern werde bereits seit fast 20 Jahren praktiziert, erläuterte der Referent. Über zwei kleine Löcher in der Schädeldecke werden kleine Elektroden mit Kabel ins Gehirn und einen Impulsgenerator unter die Haut implantiert. Ziel sei es, die krankhaften Bewegungsreize durch gezielte Reize des THS zu unterdrücken und somit die Bewegungssituation in Bezug auf die Motorik zu verbessern. Die Medikamentenpumpen als weitere Therapiemöglichkeit dienen durch eine permanente Medikamentengabe dazu, den Patienten idealer Weise konstant im „therapeutischen Fenster“ zu halten. Südmeyer gab allerdings zu bedenken, dass nicht jeder Parkinson-Patient von diesen Therapien profitieren könne.

Im Anschluss an die Vorträge bot das Augustahospital seinen Gäste die Möglichkeit, sich einen Eindruck der Räumlichkeiten und der Therapie in den Bereichen Physiotherapie, Physikalischen Therapie, Ergotherapie und Logopädie zu verschaffen.

Der Ärztliche Direktor zeigte sich mehr als zufrieden: „Wir freuen uns über die große Resonanz und die positiven Rückmeldungen zu unserer Veranstaltung. Sicherlich werden wir im nächsten Jahr wieder eine Veranstaltung zum Thema Parkinson durchführen.“